Excerpt for Es zieht by Lars Gunmann, available in its entirety at Smashwords

Es zieht


Eine Kurzgeschichte von

Lars Gunmann


Smashwords Edition


"Erna, es zieht!"
"Ach Gott, es sind doch alle Fenster zu."
"Sicher?"
"Ja, Kurt, sicher."

Kurt stellte sein Bier auf den Couchtisch und ging zu seiner Frau in die Küche.
"Das darf doch wohl nicht wahr sein!"
"Ach Kurt, ist der Zug so stark?"
"Wie ein Intercity."
"Du lieber Gott, Kurt! Unsere Bahncard ist doch nur für die zweite Klasse gültig."
"Rede nicht so sinnvoll - Verzeihung - sinnlos daher. Komm lieber mit."

Erna und Kurt sahen sich alle Fenster an - sie waren tatsächlich geschlossen.

"Das kommt von dort!" Kurt zeigte auf die zweite Besenkammer im oberen Stock, die eigentlich noch nie verwendet wurde, weil Erna immer unten mit dem Putzen begann.
"Da ist doch nichts."
"Doch, doch."

Kurt trat vor die Tür und stieß dabei eine Schachtel 8er-Sicherungsmuttern um.
"Potzgewitter noch einmal!" fluchte er.
Die Muttern verteilten sich kausal angeordnet auf dem Boden, was Kurt nicht davon abhielt die Türe zu öffnen.

Muttern, Ernas Brille und reichlich Luft wurden eingesaugt, Kurt blickte in die schwarze Leere und schloss die Tür langsam - da kräftezehrend - wieder.

"Platz genug. Sieht aus wie die Unendlichkeit."
"Und noch weiter!" Ralf kam hinzu, er war der Sohn des Hauses.
"Was? Ich versteh nur noch Puderquaste." Erna schüttelte den Kopf.
"Dehnt sich aus, das Universum. Sollte ein Schulprojekt sein." Der Sohn schaute stolz.
"Und da hast Du gedacht, packst Du das ganze Ding mal in unsere Abstellkammer! Ohne zu fragen!" Kurt erhob den Zeigefinger.
"Steffi hat eben keinen Platz daheim."
"Ach, Kurt, lass den Bub doch."

Kurt zog ein griesgrämiges Gesicht. "Es zieht!"
"Ach, Kurt!"
"Papa!"

Kurts Miene veränderte sich ein paar Mal. Er sah die Tür an, seine Frau, seinen Sohn.
"Wenn's denn sein muss. Im Keller hab ich noch etwas Silikon zum Abdichten."


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