Excerpt for Erste Infos zum Konjunkturpaket III by Lars Gunmann, available in its entirety at Smashwords

Erste Infos zum Konjunkturpaket III


Eine Satire von

Lars Gunmann


Smashwords Edition



“Arbeit muss sich für deutsche Betriebe wieder lohnen” – unter diesem Motto wird voraussichtlich das dritte Konjunkturpaket der Bundesregierung stehen. “Schließlich bringen ständig fallende Aktienkurse niemandem etwas”, so der ehemalige bayrische Ministerpräsident Günther Beckstein. “Die CSU hat die richtigen Impulse erarbeitet, die Deutschland wieder zur alten Größe verhelfen werden.”

Demnach soll es eine Agenda 2020 geben, in deren finaler Phase ein bei Buchautoren sehr bewährtes Konzept für die deutsche Gesamtindustrie konvertiert werden soll. “Als Autor kommt man heutzutage nur noch an Veröffentlichungen, wenn man sich maßgeblich an den entstehenden Kosten beteiligt”, erklärt Hanno von der Lauer, Parteifreund Becksteins und professioneller Verleger von sächsisch-bayrischer Mundartlyrik. Das Modell sieht vor, dass ein Arbeitnehmer zukünftig eine Arbeitsplatzerhaltungsgebühr direkt bei seinem Arbeitgeber bezahlt. “Wenn sich das rechnet – und das wird es – könnte man in Zukunft komplett auf Lohn verzichten”, so von der Lauer weiter, “Der Arbeitnehmer bekommt dafür kostenlose Mahlzeiten, sowie eine klassengerechte Unterkunft. Viele Industriehallen stehen ohnehin fast leer.”

An der Börse zeigt man sich begeistert von diesem Vorhaben. Endlich könnten alle Firmen ihre Versprechen halten und jährlich ihre Rendite steigern. Natürlich müsse es Vorsichtsmaßnahmen geben, damit Arbeitnehmer nicht versuchen, ihren Beruf durch Aktiengewinne zu finanzieren. “Ebay und Gewinnspiele sind in Ordnung”, meint Geldbörsenoberaufsichtsrat Heinz Ackerer, “doch Renditenaussichten für unsere harte Arbeit dürfen nicht durch Kleinanleger verwässert werden. Durch die Geiz-ist-geil-Mentalität der breiten Masse glauben manche Leute tatsächlich, dass Geld verdienen durch faules Herumsitzen in einer Firma gerecht ist. Wenn die Leute ordentlich arbeiten würden, wäre der DAX schon lange bei 14000 und derartige Konjunkturpakete unnötig.”

“Die Banken und Börsianer sehen die Schuld an der Finanzkrise eindeutig am Verbraucher”, erklärt Günther Beckstein, “wer will ihnen da schon widersprechen? Durch ständige Rabattforderungen wurden alle Hersteller nach China gedrängt, dort ansässige Firmen wurden durch den Wahn deutscher Verbraucher sogar soweit getrieben, dass sie Schadstoffe zur Herstellung billiger Spielwaren verwenden mussten. Jetzt kann die Schuld durch unsere neuen Ein-Euro-Jobs beglichen werden.” Laut dem 10-Punkte-Plan der CSU können sozial schwache Bundesbürger für nur einen Euro im Monat eine Stelle als Produkttester in der VR China bekommen, sofern das örtliche Arbeitsamt damit einverstanden ist. “Da wird es kaum Fälle geben, die wir ablehnen werden. Schließlich möchten wir am Ende auch gut dastehen und ein schönes Diagramm aushängen.”

Gewerkschaften und Verbraucherschutzorganisationen bezweifeln, dass der Arbeitnehmer da ein großes Mitspracherecht haben wird, die notwendigen Gesetzesänderungen sind jedoch schon in die Wege geleitet. Ex-Bahnchef Mehdorn kommentierte dies mit einem Lächeln: “Es wurde auch Zeit, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr durch Fortschrittsbremsen wie Arbeitnehmer- und Verbraucherrecht gebeutelt wird. Wir planten damals schon eine weitere Personaldienstleistungstochter, die Arbeitskräfte an unsere bestehenden Personalvermittler vermitteln. Dadurch werden kostengünstig weitere Arbeitsplätze geschaffen.”

Sollte sich die Auftragslage der deutschen Wirtschaft trotz aller Maßnahmen immer noch nicht verbessern, so müssen zahlende Arbeitnehmer nicht tatenlos herumsitzen. “Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter jederzeit für private Angelegenheiten einspannen dürfen, ansonsten wird die FDP diesem Paket nicht zustimmen.”



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