Auserkoren
Eine Kurzgeschichte von
Lars Gunmann
Smashwords Edition
“Ist er denn
immer noch da?” fragte der kleine, pelzige Alien namens
George.
“Ich schau mal nach”, meinte Elvis.
Elvis war nur
10 Zentimeter größer als George, besaß dafür
nur ein Auge und hatte eine violette Haut, die grün getupft war.
Ängstlich schob er seinen Kopf nach oben, um einen Blick durchs
Fenster zu werfen. Er konnte immer noch zwei Personen erkennen.
*
“Keine Angst,
holde Maid! Ich werde diesem außerirdischen Abschaum
eigenhändig die Köpfe abschlagen und ihre Haut großzügig
der Modebranche spenden. So spricht Humboldt, der Gotterwählte –
Ritter des Lichts, Paladin der Sterne”, sagte der große Typ
in seiner glänzenden Plattenrüstung, die Hand zum Griff
seines Zweihandlichtschwertes geführt.
“Ich danke euch, oh
edler Ritter! Selten habe ich so einen wohl erzogenen, strahlenden
Helden gesehen. Ganz anders als diese widerwärtigen Aliens.
Belagern einfach das Haus meiner Eltern – die übrigens zwei
Wochen im Urlaub sind, fangen an zu schreien und vertreiben mich so
aus meinem eigenen Heim”, sagte die blonde, junge Frau.
“Keine
Sorge, oh keusche Jungfrau.”
“Wer? Ach so. Stürmt mein
Haus und vernichtet sie!”
Ritter Humboldt
trat einen Schritt zurück.
“Ganz so vorschnell sollten wir
vielleicht nicht handeln. Wir wissen nicht, welche Waffen und Kräfte
sie besitzen. Aber ich habe da eine Idee!”
*
“Und, was
machen sie jetzt?” fragte George.
“Sie gehen weg.”
“Puuuh,
vielleicht können wir jetzt endlich in Ruhe die Ersatzteile für
unser Schiff zusammensuchen. Wir müssen den Friedensvertrag doch
rechtzeitig nach Lok’Norol bringen.”
“Wir sollten trotzdem
vorsichtig sein, man weiß nie, was diese Menschen so alles
aushecken.”
*
“So ein Plan
konnte nur mir einfallen. Keiner kann sich mit meiner Intelligenz,
meiner Seelenreinheit und meiner Stärke messen!”
“Ja,
aber mussten diese Tiere dafür so leiden?”
“Der Krieg
erfordert Opfer. Solange wir im Namen Gottes handeln, tun wir immer
das Richtige. Die Hunde werden nicht mehr lange leiden, die Aliens
werden sich vor Hunger auf sie stürzen, was auch ihr Ende sein
wird. Natürlich vermag ich mit meinem Schwert nachzuhelfen.”
Aus der Deckung warf Humboldt einige Brocken Fleisch vor die Haustür und ließ die Hunde aus dem Käfig. Knurrend drehten sie sich nochmals zum Ritter um. Des Schwundes ihrer Kräfte bewusst, krochen sie kurz darauf aber los, auf die Fleischbrocken zu.
*
“Da ist ein
Geräusch, vor der Haustür. Sollen wir nachsehen?” fragte
Elvis.
“Ich weiß nicht, wenn es schon wieder dieser
Haudrauf ist?”
“Es hört sich aber ganz anders an. Los,
wir dürfen hier sowieso keine Zeit mehr verschwenden.”
“Na
gut!”, willigte George ein.
Die beiden Aliens öffneten die
Tür und fanden die vier Hunde vor, wie sie auf den
Fleischbrocken herum bissen.
“Nein, George! Sieh dir das an.
Diese Tiere sind schwer verwundet.”
“Ich scanne sie mit meinem
Medcorder. Diese Verletzungen wurden ihnen willentlich zugefügt,
mit einer starken Lichtwaffe. Außerdem fließt ein
tödliches Gift in ihren Bahnen, das selbst unsere Kräfte
verzehren würde.” George klappte den Medcorder zu.
“Keine
Sorge”, Elvis streichelte die Köpfe der Hunde, “wir haben
genau das richtige für euch.”
“Du meinst doch nicht
etwa…”
“Doch, genau das. Wir haben nichts anderes mehr.”
“Es
wird sie nicht nur heilen”, sagte George.
“Aber es wird sie
heilen, oder? Außerdem hält diese Dosis nicht lange
an.”
“Ja, du hast Recht. Es ist die einzige Chance, das
wertvolle Leben dieser Kreaturen zu wahren. Hier, gib es ihnen.”
*
“Wann kann
ich endlich wieder ins Haus?” fragte die junge Frau
genervt.
“Geduld. Moment, was machen die denn jetzt? He, ihr
sollt die Viecher zerfleischen, nicht streicheln. Ich fasse es nicht.
Gleich bringe ich euch alle zur Strecke!”
Humboldt
verließ seine Deckung und ging auf das Haus zu.
“Schnell!”
rief Elvis, als er den Ritter bemerkte.
George verabreichte den
Hunden die Medizin, die alle ihre Wunden verschwinden ließ. Das
alleine machte den strahlenden Ritter schon stutzig. Dann jedoch
wuchsen die Hunde auf das doppelte ihrer Größe heran. Sie
bekamen riesige Klauen und Zähne, die in der Sonne blitzten, als
wären sie aus reinstem Diamant.
“Oh, Shit!” war das letzte, was Humboldt an verständlichem von sich gab. Danach erfuhr er am eigenen Leibe, dass auch eine Plattenrüstung nicht allem stand hält.